Bilderleiste
Clearinghaus und Betreutes Wohnen Bünde
für UMF/umA
UMF = unbegleitete minderjähringe Flüchtlinge bzw.
umA = unbegeleitete minderjährige Ausländer


(Adresse anonym)

Tel. 05223 - 1893776
eMail an Clearinghaus Bünde

Angebot:

Intensivangebot I

Aufnahmealter ab 15 Jahren
Plätze 10 männliche Jugendliche
Teamkoordination Nicola Thalmann
MitarbeiterInnen Haifa Ammo, Stefan Aumann, Ralf Babst, Elena Becker, Sabina Jakob, Marco Kunze, Ahmad Mella Ali, Nils Obergöker, Livia Schwab
Gesetzliche Grundlage SGB VIII § 42 und § 42a
Finanzierung Intensivangebot I: 185,80 € pro Tag
sowie obligatorische Zusatzleistung UMF/umA
Stellenschlüssel 1 : 1,57
Bereichsleitung:
Herr Litschel
Tel.: (0 52 21) 960-320
Fax: (0 52 21) 960-966
eMail an Herrn Litschel
Co-Beratung:
NN
Tel.:
Fax:
Email:

1. Clearing

Die Jugendlichen werden im Clearinghaus nach ihrer Flucht in Obhut genommen. Im Clearing werden die Bedürfnisse und Bedarfe der Jugendlichen ermittet und die gewonnenen Erkenntnisse mit den vorhandenen Ressourcen in Einklang gebracht, um so individuelle Perspektiven und Ziele zu erhalten.

Neben der Klärung des jeweils individuellen jugendhilferechtlichen Bedarfs - in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt - ist die Clearingruppe Lern- und Lebensort der Jugendlichen auf Zeit. Auch die aufenthaltsrechtliche Perspektive ist in enger Zusammenarbeit mit dem Vormund Bestandteil des Clearingverfahrens.

Zur Sprachförderung im Alltag des Clearinghauses kommt von Beginn an ein regelmäßiger Sprachunterricht.


Ausgangslage

Insgesamt erreichen Europa immer mehr Flüchtlinge. Über die Hälfte der geflüchteten Menschen, die nach Deutschland kommen sind weniger als 30 Jahre alt, rund 30 Prozent von ihnen sind sogar unter 18 Jahren. Als Teil dieser aktuellen Entwicklung kommen auch immer mehr UMF/umA in Deutschland an. Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung ihrer Eltern nach Deutschland einreisen, stellen eine besonders schutzbedürftige Gruppe unter den Flüchtlingen dar. Es fliehen mehr Jungen als Mädchen. Im Schwerpunkt liegt das Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Die Herkunftsländer variieren. Schwerpunktländer sind aktuell Syrien, Afghanistan und Irak, Eritrea sowie Nordafrika (z.B. Marokko und Algerien). Hinzu kommen weitere afrikanische (z.B. Ghana) und asiatische (z.B. Bangladesch) Länder.

Die Ursachen für ihre Flucht sind vielfältig und meist eine Kombination mehrerer Faktoren: bewaffnete Konflikte, schwere Unruhen, Menschenrechtsverletzungen, politische Repressalien, Missbrauch als Kindersoldaten, Tod der Eltern, große Armut und Not oder aber Missbrauch und Gewalt in der Familie.

Die Flucht verläuft teilweise unter dramatischen und strapaziösen Umständen. Fluchtgründe und Fluchterfahrungen können traumatisierend sein. Mit der Flucht hat häufig die Jugend ein Ende genommen. Ihre Fluchterfahrungen sind durch Fremdbestimmung geprägt. Sie waren während der Flucht u.a. ihren Fluchthelfern ausgeliefert und haben so Gewalt und zum Teil auch Missbrauch erlebt. Auch haben die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge oftmals nicht aufgrund einer eigenen freien Entscheidung ihre Heimat verlassen. Individuelle Unterschiede haben u.a. auch mit dem Geschlecht, dem Alter, dem Herkunftsland und den konkreten Fluchtbedingungen zu tun.

Der „Fluchtstress“ wird nach der Ankunft in Deutschland schnell zum „Exilstress“: ungeklärter Aufenthaltsstatus, unverständliches Verfahren, unbekannte Menschen, fremde Sprache und Lebensmittel, fehlende Familie, Schuldgefühle (selbst in Sicherheit zu sein und die Familie nicht), Entwurzelung und notwendige Akkulturation, gesundheitliche Folgen der Flucht, Aufträge der Familie, etc.

Flüchtlinge haben aufgrund ihrer Situation oft Ungewissheit, wo sie in Monaten oder Jahren leben werden und wie es um Familienmitglieder im Heimatland steht oder leiden am Tod ihrer Verwandten. Sie haben aber auch spezifische Wünsche und Erwartungen an das ersehnte (bessere) Leben in der Fremde oder Aufträge der zurückgebliebenen Angehörigen umzusetzen.


Leitgedanken

Der interkulturelle Ansatz in der Arbeit mit UMF/umA setzt auf ernstgemeinte Offenheit und Neugierde für andere Kulturen. Der Zugewanderte wird nicht primär als defizitär erlebt, dem zur Bewältigung seiner neuen Lebenssituation bestimmte kulturspezifische Voraussetzungen fehlen, sondern als jemand mit eigenen, möglicherweise von anderen kulturellen Traditionen geprägten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für die konstruktive Bearbeitung seines Alltags in der ihm zunächst fremden Umwelt nutzbar zu machen sind. Ein respektvoller, ressourcenorientierter gegenseitiger Umgang stärkt dabei die Eigenverantwortlichkeit.

In diesem Sinne ist auch das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationalität und anderer Kultur zunächst eine Belastung, die allerdings möglichst als Chance und Lernfeld gemeinsam zu gestalten ist.

In dem Prozess des Kennenlernens der individuellen Möglichkeiten und der Vielfalt, wird von den Mitarbeitenden auch die eigene kulturelle Prägung, als Repräsentant der deutschen Aufnahmegesellschaft, integrationsfördernd eingebracht. Die zentralen gesellschaftlichen Grundwerte in Deutschland ((Recht & Gesetz - insbesondere die Menschenrechte - und Demokratie) bilden dabei die Gestaltungsgrenzen.


Ziele des Clearingverfahrens

  • Klärung familiärer und soziokultureller Hintergründe, insbesondere der persönlichen Lebensverhältnisse (Identität, Herkunft, Verbleib der Eltern und weiterer Familienangehöriger); wenn möglich sollte der Kontakt zu Verwandten hergestellt werden
  • Klärung des gesundheitlichen, psychischen und geistigen Entwicklungsstandes sowie der emotionalen Situation der Jugendlichen
  • Klärung von Anzeichen einer traumatischen Belastung
  • Klärung der persönlichen Ressourcen der Jugendlichen, insbesondere ihrer alltagspraktischen Ressourcen im neuen Lebensumfeld
  • Klärung des schulischen Bildungsstands und der vorhandenen schulischen Voraussetzungen sowie des Lernverhaltens
  • Klärung der Fluchtgeschichte
  • Klärung der aufenthaltsrechtlichen Möglichkeiten und der Perspektive zum aufenthaltsrechtlichen Verfahren




2. Betreutes Wohnen


Zielgruppe

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) ab 16 Jahren, die das Ziel der weiteren Integration und Verselbständigung verfolgen. Das Angebot richtet sich im Schwerpunkt an Jungen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich gemeinsam mit den pädagogischen MitarbeiterInnen mit dem konkreten Alltag und mit den weiteren Lebensplanungen auseinandersetzen zu wollen und sich dabei auf eine Auseinandersetzung und Unterstützung einzulassen.

Unsere Leistungen

Die Beratung und Begleitung findet aufsuchend in der betreuten Wohngemeinschaft und begleitend im Lebensumfeld des Jugendlichen statt und wird ergänzt durch Treffs und Gruppenangebote. Kontakthäufigkeit und Inhalte der Beratung werden in der Hilfeplanung festgelegt und fortgeschrieben. Je nach Beratungsintensität findet mehrmals wöchentlich, manchmal auch täglich, ein Kontakt statt. Die MitarbeiterInnen stehen beratend und unterstützend zur Verfügung bei der Bewältigung von sozialen, lebenspraktischen und individuellen Fragen und Problemen. Beispielhaft zu nennen sind: Hilfe bei der Bewältigung der Alltagsaufgaben, aufenthaltsrechtliche Beratung und Entwicklung einer Lebensperspektive in Deutschland oder im Heimatland, Unterstützung bei der schulischen und beruflichen Integration, lösungsorientierte Krisen- und Konfliktbegleitung, Beratung sowie weitere Hilfestellungen bei einer möglichen Rückführung oder freiwilligen Rückkehr ins Heimatland, Vermittlung von Hilfsorganisationen und unterstützenden Ansprechpartnern nach einer Rückführung oder Rückkehr.